02.11.2018 Worpswede

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Von Kunst und Äpfeln Unterhaltsame Matinee mit Jörg van den Berg und Gästen

Worpswede (ui). Nicht nur Apfelbaumpaten waren der Einladung zur Matinee gefolgt, sondern auch Gäste, die sich für Äpfel und Kunst grundsätzlich interessieren, nahmen in der Worpsweder Kunsthalle Platz. Jörg van den Berg, Künstlerische Leitung der Kulturstiftung Landkreis Osterholz, erwies sich wieder als gut gelaunter Moderator. An seiner Seite begrüßte er die Künstlerin Antje Majewski und Eckart Brandt, den, wie Jörg van den Berg ihn nannte, „Papst der Äpfel“.

„Ich möchte keine Ausstellungmehr ohne Äpfel machen“, leitete Jörg van den Berg die unterhaltsame und informative Matinee ein. Lagen doch auf dem Tisch duftende Äpfel verschiedenster Sorten, die der Pomologe Eckart Brandt aus dem „Boomgarden Park“ Helmste mitgebracht hatte.

Vor und nach der Veranstaltung konnten die Besucher das gesunde Obst mit Namen wie Roter Boskop, Bürgerprinz, Herzog von Cumberland oder Celler Diekstiel käuflich erwerben. Mit der Beendigung der Ausstellung „Kaleidoskop Worpswede“ und einhergehend auch des Apfelprojektes der Künstlerin Antje Majewski und ihres Kollegen Pawel Freisler gehe das Projekt aus dem geschützten Raum in den öffentlichen Teil über, sagte Jörg van den Berg. Damit meinte er die Apfelbaumpflanzungen. Somit seidas Projekt auch nachhaltig.

Antje Majewskis „Kerngeschäft“ sei die Malerei, aber auf spezielle Art, die weit über die Leinwand hinausgehe, stellte sich die Brandenburger Künstlerin vor. Worpswede sei nun die vierte Ausstellungsstation. Die Idee zudem Projekt „Der Apfel“ hatte der polnische, in Schweden lebende Künstler Pawel Freisler. Beide waren sich einig, dass es nicht um eine Ausstellung gehe, sondern darum, wie eigentlich Kunst und der öffentliche Raum zusammenkommen können - über die temporäre Ausstellung hinaus.

Als Zielhaben sie sich 1001 Baumpflanzungen an verschiedenen Standorten gesetzt, 250 sind bereits gepflanzt worden. Worpswede gehört jetzt dazu. Antje Majewski erzählte, dass sie nicht nur mit dem NABU zusammenarbeite, sondern auch mit verschiedenen Gruppen, auch Schulen.

„Die Ausstellung ist der Kern des Gedankens, es gehe aber auch um Pädagogik“, so die Künstlerin. Sie selbst habe viel gelernt, viele Interviews geführt und einen künstlerischen Film gemacht. „Warum liegen im Supermarkt nur fünf Äpfel nebeneinander? Das sind Klone.“ In den Gesprächen, wie auch mit Eckart Brandt, habe sie ebenfalls viel gelernt, und daswill sie weitergeben.

„Die Vielfaltzu erhalten geht nur, wenn Menschen einen Apfelbaum pflanzen“, war Antje Majewski fest überzeugt. Ihre Apfel-Stillleben würden sich übrigens im Apfelbuch von Eckart Brandt wiederfinden

"Was verbirgt sich hinter dem Boomgarten“, wollte Jörg van den Berg von Eckart Brandt wissen.

Alte Sorten erhalten - ohne spritzen

Der gefragte Pomologe, der eigentlich Berufsimker werden wollte, berichtete von den schwierigen Anfängen als Bioobstbauer. Spritzobstbauer kam für ihn nicht infrage, was bei vielen für Unverständnis sorgte. „Wenn du nicht spritzt, bekommst du auch keine Äpfel“, musste er sich anhören. Aber er ließ sich von seiner Idee nicht abbringen und hat vor über 30 Jahren den Boomgarten Park in Helmste angelegt. Seine Passion ist es, alte Apfelsorten, die unsere bäuerlichen Vorfahren herangezogen haben, zu erhalten.

„Man kann die Sorten nie wieder konstruieren“, sagte der Fachmann, der den Boomgarten Park auch „Heimat unserer Sortensammlung“ nennt. „Man muss zupacken, bevor die alten Bäume umfallen.“ 350 verschiedene Apfelsorten beinhaltet das Boomgarten-Park-Projekt.

In dem Gespräch ging es auch um die vegetative Vermehrung und die Erhaltung der genetischen Vielfalt. „Im Supermarkt gibt es eine absolute Pseudovielfalt“, sagte Antje Majewski und wusste:„Die Äpfel stammen weltweit nur noch von fünf Ausgangssorten ab. Bei Tieren würde man von Inzuchtsprechen.“ Eckart Brandt hatte garantiert keine Klonäpfel dabei.

Jörg van den Berg bat ihn, zu dem einen oder anderen Apfel eine kleine Geschichte zu erzählen, was dieser zur Belustigung seiner Zuhörer gern tat. Bevor hinter dem neuen Teil der Großen Kunstschau in der Lindenallee mit den Paten ein Bäumchen gepflanzt wurde, deckten sich einige Besucher noch mit dem köstlich duftenden Obst ein.

Apfelbaumpate kann jeder werden. Die Aufgabe besteht darin, den Baum zu gießen und zu pflegen. „Er übernimmt die Verantwortung dafür“, so Antje Majewski. Hier sei auch der NABU mit an Bord, der für Fragen zur Verfügung stehe. Als Apfelbaumpate habe man allerdings nicht nur Pflichten, „sondern auch die Möglichkeit zu ernten“. So habe man eine kostenlose Vielfalt zu Hause. Wer Apfelbaumpate werden möchte, kann sich an den Worpsweder Museumsverbund wenden. Kontakt: info@worpswede-museen.de, Telefon:04792/9550591