27.11.2018 Landkreis

Sky Du Mont las in der Sparkasse Rotenburg Osterholz

„Den Smoking musste ich immer tragen“

Gemeinsam mit dem Radiosender Bremen 2 lud die Sparkasse Rotenburg Osterholz im Rahmen ihrer Reihe „Literatur vor Ort“ zu einer Lesung mit Sky Du Mont. Du Mont, 1947 in Argentinien geboren, gilt als Schauspieler mit internationalem Renommee und las vor ausverkauftem Haus aus seinem neuesten Roman „Jung sterben ist auch keine Lösung - Wenn Söhne in die Jahre kommen.“ „Bücher werden heute ja meist auf Bestellung der Verlage geschrieben“, so Du Mont und erzählte von seiner Idee, in seinem jüngsten Werk eine dominante Mutter mit ihrem schwächlichen Sohn interagieren zu lassen.

Mit viel Witz und bestens gelaunt ,las er von den Bestrebungen der fast 100-jährigen Mutter, die für ihren Sohn auf die Suche nach dem passenden Altenheim, einer ihr genehmen Frau und dem generalstabsmäßig geplanten Lebensglück des 70-jährigen Sohnes Klausi geht.

„Ich habe das Buch auf einem Kreuzfahrtschiff geschrieben“, gestand Du Mont. Dort habe er ungestört arbeiten können, denn „nach drei Mal Glotzen wird auch ein Promi langweilig“, parierte er die Fragen der Bremen 2-Moderatorin im einleitenden Gespräch.

In seinem Roman karikiert Sky Du Mont das Alter in allen seinen Facetten: ob es um Ü70-Partys in Altenheimen, nimmersatten Senioren auf Kreuzfahrten oder aber um das späte Kennenlernen einer potenziellen Lebensgefährtin geht.

Das Buch entpuppt sich als liebenswerter, humorvoller und sehr unterhaltsamer Antwortversuch auf die Frage: „Was ist das eigentlich, das Alter?“ Du Mont scheint prädestiniert, diese Frage zu beantworten. Was er seiner Zuhörerschaft in dem sich der Lesung anschließenden Interview mit der leider recht hölzern agierenden Bremen 2-Moderatorin offenbart, zeichnet das Bild eines Mannes, der alle Höhen und Tiefen des Lebens durchlebt und durchlitten hat.

Sky Du Mont wuchs nach der Flucht seiner Eltern vor den Nationalsozialisten in Argentinien auf, ging in England zur Schule und machte sein Abitur in der Schweiz. Auf die Frage, warum er heute in Deutschland lebe, hatte er eine spontane Antwort parat: „Ich finde Deutschland das beste Land, in dem ich je war. Es gibt kein Land, das demokratischer ist und in dem die Menschen so viel aus den Sünden der Vergangenheit gelernt haben.“

Nach seinem Studium der Musik in London arbeitete er als Komparse, um erstes Geld zu verdienen. Nach einem Jahr bekam er seine erste Rolle als Bösewicht - ein Genre, das ihn lange verfolgen sollte.

Auch für die Rolle des damaligen James Bond stand er zur Diskussion. Groß und gutaussehend hätte er ihn vermutlich glänzend verkörpert. „Meine Schauspiellehrerin damals hat fest an mich geglaubt“, so Du Mont. Das habe ihm viele Türen geöffnet und auch den Weg ans Berliner Staatstheater geebnet.

„Ich bin nicht jemand, der von tollen Rollen träumt. Ich habe den Beruf nicht ausgeübt, um Karriere zu machen“, so DuMont. An der Seite von Tom Cruise und Nicole Kidman spielte er in Stanley Kubricks Streifen „Eyeswide shut“.

„Es ist immer dieQualität einer Rolle, die für mich wichtig ist.“ Für seine Verkörperung des Wehrmachtsoffiziers und Widerstandskämpfers Claus Schenk Graf von Stauffenberg erhielt Du Mont den Golden Globe.

59 Episoden in der amerikanischen Soap „General Hospital“ folgten, doch „In den USA ist das reine Fabrikarbeit. Die VereinigtenStaaten sind kein guter Ort fürs Arbeiten“, gestand Du Mont.

In „Otto - Der Film“ oder Bully Herbigs „Schuh des Manitou“ durfte Du Mont seine komödiantische Seite ausleben. „DenSmoking musste ich immer tragen“, resümierte er süffisant das Stereotype, das vielen seiner Rollen anhaftete.

„Heute spieleich nicht mehr den Mann im Jacket, der an der Reling seiner Yacht mit einem Glas Champagnerin der Hand steht.“ Das Theaterspielen gab Du Mont zugunsten seines Privatlebens auf. Er habe es nicht mehr ertragen wollen lachend in Komödien auf der Bühne zu stehen, während private Schicksalsschläge ihm die Tränen in die Augen trieben.

Das Schreiben ist bis heute eine seiner Passionen. Für ihn habe es etwas Gottgleiches, wenn man Autor ist: „Schreiben ist toll, wenn man einen seiner Charaktere nicht mag, lässt man ihn einfach von einem Lastwagenüberfahren.“

Sky Du Mont präsentierte sichin der Zentrale der Sparkasse Rotenburg Osterholz bestgelaunt, schlagfertig und voller Herz und angenehmer Bissigkeit und machte den Abend so zueinem echten Erlebnis für alle, die ihn erleben durften. Sein Resümee zum Leben im Alter: „Carpe Vitam. Nutze das Leben. Das Leben ist jetzt. Jung sterben ist auch keine Lösung, weil man dann eine Menge verpasst.“